Interview · dabei digital

„Eltern müssen keine Digitalprofis sein – aber sie sollten im Gespräch bleiben“

Smartphone, YouTube, WhatsApp, Games und soziale Netzwerke gehören in vielen Familien längst zum Alltag. Gleichzeitig entstehen viele Fragen: Wie viel Medienzeit ist gut? Wie können Eltern ihre Kinder schützen? Welche Regeln helfen wirklich? Im Projekt dabei digital haben wir mit Demet über die Workshopreihe „Sicher im Netz“ gesprochen.

Ein Gespräch über digitale Sicherheit, Familienregeln, Vertrauen und die Frage, wie Eltern ihre Kinder im digitalen Alltag gut begleiten können.

Teilnehmende der Workshopreihe Sicher im Netz während einer Veranstaltung von dabei digital
Rückblick auf die Workshopreihe „Sicher im Netz“: Im Mittelpunkt standen praktische Fragen rund um digitale Sicherheit, Familienregeln und den sicheren Umgang mit Apps und Internet.

„Kinder brauchen nicht nur Kontrolle. Sie brauchen Erwachsene, die zuhören, Orientierung geben und Grenzen erklären können.“


Demet, Workshopleitung „Sicher im Netz“

dabei digital: Worum ging es in der Workshopreihe „Sicher im Netz“?

Demet: Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Familien digitale Medien sicherer und entspannter nutzen können. Es ging nicht darum, Eltern Angst zu machen oder Kindern alles zu verbieten. Wir wollten gemeinsam schauen: Welche digitalen Medien nutzen Kinder und Jugendliche? Wo entstehen Unsicherheiten? Und wie können Eltern ihre Kinder gut begleiten, auch wenn sie selbst nicht jede App oder jedes Spiel genau kennen?

dabei digital: Welche Fragen haben Eltern besonders häufig mitgebracht?

Demet: Viele Fragen drehten sich um Medienzeiten, Sicherheitseinstellungen und den Umgang mit sozialen Netzwerken. Eltern wollten zum Beispiel wissen: Wie lange darf mein Kind am Handy sein? Ab welchem Alter ist ein eigenes Smartphone sinnvoll? Wie kann ich YouTube sicherer einstellen? Was mache ich, wenn mein Kind ungeeignete Inhalte sieht? Oder woran erkenne ich Betrug, Fake-Gewinnspiele und gefährliche Links?

dabei digital: Was hat dich an den Gesprächen besonders beschäftigt?

Demet: Mich hat beschäftigt, dass viele Eltern sehr verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen wollen, sich aber oft unsicher fühlen. Viele haben das Gefühl, sie müssten technisch alles verstehen, um gute Eltern im digitalen Alltag zu sein. Das stimmt aber nicht. Viel wichtiger ist, dass Eltern interessiert bleiben, Fragen stellen und mit ihren Kindern im Gespräch sind.

dabei digital: Warum reicht es nicht, einfach nur Regeln aufzustellen?

Demet: Regeln sind wichtig, aber sie funktionieren besser, wenn sie gemeinsam besprochen werden. Ein Satz wie „Du darfst nur eine Stunde ans Handy“ ist für Kinder oft schwer nachvollziehbar, wenn nicht erklärt wird, warum diese Regel gilt. Besser ist es, gemeinsam über Mediennutzung zu sprechen: Wann ist das Handy hilfreich? Wann stört es? Welche Inhalte tun gut, welche eher nicht?

dabei digital: Welche Rolle spielt Vertrauen beim Thema digitale Sicherheit?

Demet: Vertrauen ist zentral. Kinder und Jugendliche müssen wissen, dass sie zu ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen kommen können, wenn online etwas passiert. Wenn sie Angst haben, direkt bestraft zu werden oder das Handy weggenommen zu bekommen, erzählen sie möglicherweise nichts. Digitale Sicherheit bedeutet also nicht nur technische Einstellungen. Es geht auch darum, dass Kinder wissen: Ich bin nicht allein.

dabei digital: Was waren einfache Tipps, die Familien direkt mitnehmen konnten?

Demet: Ein wichtiger Tipp war: Sicherheitseinstellungen gemeinsam anschauen. Viele Apps bieten Möglichkeiten, Privatsphäre besser zu schützen. Außerdem haben wir über sichere Passwörter gesprochen, über Vorsicht bei unbekannten Links und darüber, persönliche Daten nicht leichtfertig weiterzugeben. Auch Kettenbriefe, Fake-Gewinnspiele und betrügerische Nachrichten waren Thema.

dabei digital: Ging es in der Reihe eher um Gefahren oder auch um Chancen?

Demet: Beides. Natürlich müssen wir über Risiken sprechen: Datenschutz, Betrug, ungeeignete Inhalte, Cybermobbing oder problematische Kontakte. Aber digitale Medien sind nicht nur gefährlich. Sie können auch beim Lernen helfen, Kontakte ermöglichen, Kreativität fördern und Familien im Alltag unterstützen. Wichtig ist, nicht nur mit Angst auf digitale Medien zu schauen.

dabei digital: Was nehmt ihr als Projekt aus der Workshopreihe mit?

Demet: Wir nehmen mit, dass das Thema digitale Sicherheit in Familien sehr präsent ist. Gleichzeitig braucht es niedrigschwellige Angebote, die nicht belehren, sondern stärken. Viele Familien wünschen sich Orientierung, aber keine komplizierten Fachvorträge. Sie brauchen verständliche Erklärungen, praktische Übungen und einen Raum, in dem auch einfache Fragen erlaubt sind.

dabei digital: Was wäre dein wichtigster Rat an Familien?

Demet: Mein wichtigster Rat wäre: Bleiben Sie im Gespräch. Eltern müssen nicht alles wissen und nicht jede neue App sofort verstehen. Aber sie sollten Interesse zeigen, Fragen stellen und gemeinsam mit ihren Kindern Regeln entwickeln. Nicht nur fragen: „Wie lange warst du am Handy?“, sondern auch: „Was hast du gemacht? Was hat dir gefallen? Gab es etwas, das dich verunsichert hat?“

Mehr digitale Unterstützung im Alltag

dabei digital bietet Workshops, offene Beratungen und praktische Unterstützung zu digitalen Alltagsthemen – verständlich, niedrigschwellig und nah an den Fragen der Menschen.

Hinweis: Das Interview basiert auf Erfahrungen und Themen aus der Workshopreihe „Sicher im Netz“ im Projekt dabei digital.

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